Stürme im Nordosten der USA


Nor´easter

Nor´easter sind entlang der Küste Nordostamerikas ziehende außertropische dynamische Tiefdruckgebiete. Ihren Namen verdanken sie dabei den überwiegend an den Küsten auftretenden nordöstlichen Winden. Derartige Tiefdrucksysteme entstehen ganzjährig etwa 150 bis 200 km vor der Küste von Georgia bis nach New Jersey. Die stärksten Genesen sind dabei nach Informationen der NOAA zwischen September und April zu beobachten. Die finale Entwicklung erreichen die Zyklonen meist im Bereich New England und den kanadischen Inseln Neufundland sowie Nova Scotia.

 

Einer der berühmtesten Nor´easter trat Ende Oktober 1991 vor der Küste New Englands auf. Damals starben bei 10 bis 15 Meter hohen Wellen sechs Hochseefischer nach dem Kentern der Andrea Gail. Bei dem Versuch, die Hochseefischer zu retten, starben ebenfalls sechs Mitglieder der Air National Guard. Dieses Ereignis wurde im Jahr 2000 von dem Regisseur Wolfgang Petersen als „The Perfect Storm“ (Der Sturm) verfilmt.

Synoptik und Begleiterscheinungen

Wie alle außertropischen dynamischen Tiefdruckgebiete entstehen auch die Nor´easter in baroklinen instabilen Zonen. Die dafür notwendigen markanten Temperaturgegensätze entstehen, wenn arktische Kaltluft über die Great Plains weit nach Süden und Südosten Richtung Atlantik transportiert wird und auf den warmen Golfstrom trifft. Aufgrund starker vertikaler Windgeschwindigkeitsscherung setzt vor der Küste in Bodennähe Druckfall ein. Sich weiter intensivierende Tiefdruckgebiete ziehen folglich mit der Höhenströmung Richtung Norden und Nordosten. Dabei wirken sich überhöhte Temperaturen des Oberflächenwassers aufgrund des Freiwerdens von latenter Wärme enorm auf die Tiefdruckentwicklung aus.

 

Um ein großflächiges Sturmfeld zu formen, muss ein Nor´easter keinen extrem tiefen Kerndruck entwickeln. Vorhandener hoher Luftdruck, beziehungsweise eine voranschreitende Antizyklogenese über Québec (Kanada), führt besonders über Neu England im Zusammenhang mit einem Nor´easter zu einer kräftigen Gradientverschärfung. Wie Beobachtungen eines Sturms vom 08.11.2012 zeigen, sind nicht selten auch bei Kerndruckwerten von 990 hPa schwere Sturmböen bis 100 km/h und mehr an der Küste New Englands zu beobachten. Auf dem offenen Meer kommt es dabei bei Mittelwinden um 90 km/h wiederholt zu Wellen von 10 Metern Höhe.

 

In den Herbst- und Wintermonaten bringen Nor´easter im Nordosten Nordamerikas neben Sturm mitunter sogar Rekordschneefälle. Bei dem oben angesprochenen Nor´easter vom 08.11.2012 wurde um 06 UTC im New Yorker Central Park eine Schneehöhe von 11 cm und am Flughafen JFK eine von 10 cm gemessen. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1890 gab es im Central Park noch nie so früh eine derart hohe Gesamtschneedecke, so das Storm Team 4 NY. Der bisherige Rekord stammt vom 23. November 1989 mit ebenfalls 11 cm. Im Februar 2006 wurde im Central Park nach einem Nor´easter sogar eine Rekordschneehöhe von 68 cm gemessen (NOAA/NWS).

 

Immer mehr Menschen siedeln sich an den us-nordostamerikanischen Küsten an. Der Nordosten der Vereinigten Staaten weist demzufolge mit den Millionenmetroplen New York City, Boston, Baltimore und Philadelphia die größte Bevölkerungsdichte auf. Entsprechend groß ist die Gefahr vor schweren Schäden, die ein Nor´easter in Zukunft verursachen kann.


© Welt der Synoptik | Autor: Denny Karran