Tropical Like Cyclone (Medicane)


© Meteosat 9 / Eumetsat | Medicane über der Adria
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"Die Ende des 20. Jahrhunderts geprägte Bezeichnung „Medicane“ beinhaltet die Begriffe „Mediterranean“ und „Hurricane“ und beschreibt einen über dem Mittelmeer auftretenden kleinräumigen Sturmwirbel mit den Merkmalen einer tropischen Zyklone (Tropical Like Cyclone - TLC)."

Definition und Charakteristika eines Medicane

So wie alle tropischen Tiefdruckgebiete gehört auch ein vollentwickelter Medicane zu den thermischen Tiefdruckgebieten und ist damit ein reiner, zu Beginn der Genese auch hybrider Labilitätswirbel mit einem warmen Kern. Hervorgerufen wird die Genese aus einem thermodynamischen Ungleichgewicht zwischen dem Meer und der Atmosphäre.  Der warme Kern kann sich von der umliegenden Lufttemperatur zu Beginn der Entwicklung in den unteren Niveaus um 6 bis 8°C und in seiner Vollendung in den mittleren und hohen Niveaus um bis zu 8°C positiv unterscheiden. Ein Medicane ist gemäß seiner vertikalen Mächtigkeit (bis in die mittlere Troposphäre reichend) und des überlagerten hohen Potentials ein relativ flaches barotropes Gebilde in einer scherungsfreien Umgebung. Er bezieht seine Energie ausschließlich aus dem warmen Oberflächenwasser des Mittelmeeres. Dynamische Einflüsse sind allenfalls nur in der Hybrid-Variante und in den Angangszeiten vorhanden.

 

Ein weiteres Merkmal ist ein klar feststellbares und wolkenfreies Auge mit zirkum-geordneten Schauern und Gewittern, wobei die Wolkenschicht und damit Konvektion kontinuierlich erkennbar sein muss. Das gesamte Sturmsystem hat häufig einen Durchmesser von 200 bis 300, selten auch bis 400 km und überdauert teilweise 48 Stunden. Alle Merkmale aber sollten mindestens 6 Stunden vorhanden sein, um einen Medicane als solchen zu deklarieren. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Dimensionen sind Medicane meso(alpha)skalige Phänomene.

 

Die Kategorisierung derartiger Tiefdruckwirbel orientiert sich näherungsweise an der Saffir-Simpson-Skala auf Grundlage der mittleren Windgeschwindigkeit (hier das 10-Minuten-Mittel) in Tiefdruckkernnähe. So unterscheidet man in Abhängigkeit der mittleren Windgeschwindigkeiten zwischen:

 

"Mediterranean Tropical Depression

 (unter 63 km/h)

 

"Mediterranean Tropical Storm"                          

(64 bis 111 km/h)

 

Medicane“ oder „mediterrane Hurricane      

(ab 112 km, bei Vorhandensein der typischen Merkmale)

Auch wenn sich Medicanes und Hurricanes sehr stark ähneln sind dennoch wesentliche Unterschiede zwischen beiden Sturmsystemen erkennbar. So ist bei Subtropenstürmen (STC), respektive Medicanes, das stärkste Windfeld nicht direkt am Zentrum zu beobachten, sondern meist an den äußeren Teilen der Sprialbänder. Weiterhin besitzen sie eine schwächere Bodenzirkulation als Tropenstürme (TC), respektive Hurricanes. Der warme Kern existiert bei STCs meist nur in der unteren Troposphäre und erweitert sich nur in seltenen Fällen bis in mittleren und oberen Schichten. Meist existiert sogar noch ein kalter Kern in der Höhe. Zu guter Letzt können STCs zusätzlich PV (positive Vorticityadvektion) aus dem Höhentrog beziehen.

Luftdruck, Strömung und Niederschlag in einem Medicane

Theoretisch kann der Luftdruck in einem Medicane auf unter 970 hPa sinken. Derartig tiefe Luftdruckwerte sind im Mittelmeerraum eine Ausnahmeerscheinung und bisher nach aktuellem Kenntnisstand noch nicht gemessen worden. Bei den meisten heranwachsenden Medicanen liegen die Werte meist jedoch zwischen 990 und 1000 hPa, wobei bei der Bestimmung des Luftdruckes überwiegend numerische Wettermodelle herangezogen werden. Nur sehr selten wird tatsächlich der relative Luftdruck in der Nähe eines Medicane gemessen. Am 15. und 16. Januar 1995 jedoch registrierte die Bordwetterwarte des deutschen Forschungsschiffes Meteor im Ionischen Meer in der Nähe des Medicane "Celeno" beeindruckende 975 hPa.

 

Die höchsten Windgeschwindigkeiten betreffen im Regelfall ein nur sehr kleines Gebiet im Bereich der Eyewall, wo dynamische Böen Werte zwischen 140 und 150 km/h erreichen können. So verursachte Medicane "Cornella" am 09. Oktober 1996 auf den Liparischen Inseln (Äolischen Inseln) im Tyrrhenischen Meer mit Windgeschwindigkeiten zwischen 140 und 145 km/h schwere Schäden. Wegen dieser Windgeschwindigkeiten sind Medicanes so mit einem Hurricane der Kategorie 1 vergleichbar.

 

Schwerwiegend sind ebenso die konvektiv durchsetzten Niederschläge, welche innerhalb von 24 Stunden im Extremfall über den betroffenen Gebieten 400 bis 500 mm Regen bringen.

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Medicanegenese

Als Auslösemechanismus kommt in der Regel ein Cut-Off (Kaltlufttropfen) in der mittleren und oberen Troposphäre als barokliner Grundzustand in Frage, welcher aus einer instabilen amplitudenvergrößernden Trogwelle über Europa hervorgeht.

Vorhersageelemente

Als Trigger einer Medicane-Entwicklung dient ein Kaltlufttropfen in den Herbst- und Wintermonaten über dem erwärmten Mittelmeer. Daraus resultiert ein thermodynamisches Ungleichgewicht. Der anfangs herrschende barokline Zustand wird durch latente Wärme zunehmend abgebaut.

Klimatologie

Die Sturmsaison im Mittelmeer erstreckt sich über die Monate August bis Februar. Auswertungen aus den Jahren 1947 bis 2003 (S. NAVA) verdeutlichen, dass die meisten Wirbelstürme im Monat September (22%) auftreten, dicht gefolgt von den Monaten August (15%) un Oktober (14%).



Referenzen dieser Haupt- und der folgenden Unterseiten

[●] Meteoscienze.it, "TLC" E MEDICANES

[●] MeteoWeb – previsioni meteo e scienze del cielo e della terra

[●] Nat. Hazards Earth Syst. Sci., 7, 41–56, 2007 / www.nat-hazards-earth-syst-sci.net/7/41/2007/

[●] Meteorology Group, Dept. of Physics, Universitat de les Illes Balears, Spain - Surface heat fluxes influence on medicane trajectories and intensification

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Medicanes: cataloguing criteria and exploration of meteorological environments.
medicanes_tethys.pdf
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© Welt der Synoptik | Autoren: Denny Karran und Mike Rosin