700 hPa relative Feuchte


© Welt der Synoptik | Höhenwetter in 700 hPa (relative Feuchte).
© Welt der Synoptik | Höhenwetter in 700 hPa (relative Feuchte).

Niederschlagsbildung in den mittleren Breiten

Niederschläge in Mitteleuropa sind überwiegend frontaler und weniger  konvektiver Natur. Sie entstehen in einem Temperaturbereich zwischen -10 und -35 Grad, welcher das mittlere Wolkenstockwerk zwischen 4 und 7 km abdeckt. Ein Ausnahmeniederschlagsereignis ist dabei der Sprühregen, der aus bodennahem Nebel oder Hochnebel (Stratus) herausfällt. Gemäß der Temperaturverteilung entsteht der Niederschlag in den mittleren Breiten also hauptsächlich über die Eisphase (Sublimationswachstum = Bergeron-Findeisen-Prozess). Abgesehen von sommerlichen Konvektionslagen fällt der Niederschlag in Form von Regen somit erst durch das Schmelzen der Eiskristalle und Schneeflocken zu Boden.

100 % ...

beträgt die relative Luftfeuchtigkeit in einer Wolke. Damit herrscht in Mischwolken gegenüber den Wassertropfen Wasserdampfsättigung, gegenüber den Eiskristallen hingegen Wasserdampfübersättigung (Sättigung ist hier bereits bei 80 % relative Feuchte zu beobachten). So wachsen die Eiskristalle auf Kosten der Wassertropfen an, da der Sättigungsdampfdruck über Eis geringer als über Wasser ist.


Warum schauen sich die Meteorologen nun die Feuchte in 700 hPa an?

Wie oben bereits geschrieben entstehen die Niederschläge in unseren Breiten in einem Temperaturbereich zwischen -10 und -35 °C. Die sich in diesem Bereich, also zwischen 4 und 7 km, befindlichen Wolken werden Mischwolken genannt, weil sie sowohl unterkühltes Wasser als auch Eiskristalle beinhalten. Zu den Mischwolken gehören der Altostratus, Nimbostratus und der Cumulunimbus. Der Altocumulus ist zwar eine mittelhohe Wolken, im Endstadium aber eine reine unterkühlte Wasserwolke, da die entstandenen Eiskristalle mit weiterem Wachstum rasch aus der Wolke herausfallen.

 

Aus der vorangegangenen Erklärung wird nun ersichtlich, welche Bedeutung die Karte der 700 hPa relativen Feuchte hat, denn in diesem Bereich, etwa in 3000 Metern Höhe, finden eben vorzugsweise die signifikanten niederschlagsbildenden Prozesse statt. Gleichzeitig sind hier aufgrund der noch hohen verfügbaren latenten Wärme die stärksten Vertikalbewegungen anzutreffen, sodass auch häufig die Karten der 700 hPa Vertikalbewegungen zusätzlich herangezogen werden.

Inhalte der 700 hPa Feuchte-Karte und ihre Bedeutung.

Prozentangaben

In den 700 hPa Karten der relativen Feuchte lassen sich mit Prozentangaben feuchte Gebiete von trockenen Regionen klar unterscheiden. Bereiche, die eine relative Feuchte größer 70 bis 80 % aufweisen, zeigen meist eine geschlossene mittelhohe Bewölkung (häufig Luftmassengrenzen). Bei einer relativen Feuchte von größer 90 % darf von Niederschlag ausgegangen werden. Liegen die Feuchten unter 40 %, so ist es im mittelhohen Niveau meist wolkenfrei und trocken. Eine Ausnahme aber bildet der bodennahe Stratus, der zu Sprühregen führen kann.

Anwendungsbeispiel (Europa und Deutschland)

Abb. 1 | 700 hPa Feuchte Beispielkarte für Europa | Kartenquelle: www.wetteronline.de
Abb. 1 | 700 hPa Feuchte Beispielkarte für Europa | Kartenquelle: www.wetteronline.de

Was ist zu erkennen?

Farblich dargestellt werden hier in Form von gestrichelten und durchgängigen Linien (ab 60 %) feuchte und trockene Regionen in einer Höhe von etwa 3000 m (700 hPa). Linien gleicher relativer Feuchte heißen Isohumiden.

 

Überwiegend trockene Gebiete finden sich über dem Atlantik, dort, wo wir in der 500 hPa Geopotentialverteilung auch den kräftigen Höhenrücken erkennen können. Besonders die großräumige Subsidenz und die damit verbundene Erwärmung führt zu diesem Austrocknen der Luft. Ein sehr feuchtes linienartiges Gebiet (größer 90 %) erstreckt sich von der Normandie über Nordwestdeutschland bis zur Ostsee. Dieses Feuchteband gehört zu der Kaltfront, die bereits ansatzweise in der 500 hPa Geopotentialkarte erkennbar war. Postfrontal trocknet es im mittelhohen Niveau durch das Einsickern der Kaltluft vorübergehend ab (15 % Feuchte). Präfrontal, also auf einer Linie Ostseeküste - Bodensee, erstreckt sich ebenfalls eine Zone feuchterer Luft, die einzelne lokale Gebiete höherer Luftfeuchte aufweist. Möglicherweise kommt es hier im Vorfeld der Kaltfront zur Auslöse einzelner Gewitter. Ein weiteres und sehr großes Feuchtegebiet ist eingebettet zwischen relativ trockenen Luftmassen südwestlich von Island auffindbar. Es gehört zu einem Wellentief. In seinem Einflussbereich ist mit kräftigem Regen zu rechnen. Somit dient die 700 hPa - rel. Feuchte als grobes Hilfsmittel zur etwaigen Bestimmung des Bedeckungsgrades und der Niederschlagswahrscheinlichkeit. Quantitative Informationen diesbezüglich aber sind aus dieser Karten nicht zu entnehmen.

Zusammenfassung

  • 700 hPa Feuchtekarte sind unterstützend bei der Frontenanalyse
  • mit ihnen lässt sich der Bedeckungsgrad im mittelhohen Wolkenstockwerk abschätzen sowie
  • skalige und konvektive Niederschlagsgebiete erkennen

© Welt der Synoptik | Autor: Denny Karran