Fallbeispiel vom November 2011


Abb. 6 | © Welt der Synoptik | Panoramaaufnahme von Frankfurt am Main mit markanter Inversion im November 2011
Abb. 6 | © Welt der Synoptik | Panoramaaufnahme von Frankfurt am Main mit markanter Inversion im November 2011

Die obige Aufnahme von Frankfurt am Main mit markanter Inversion stammt von Sebastian Balders. Weitere interessante und beeindruckende Aufnahmen finden Sie unter /www.sebi-balders.repage.de/.

Omega-Wetterlage im November 2011

Der November 2011 ist ein Musterbeispiel für eine persistente Witterung, die durch stabile antizyklonale Strömungsverhältnisse über Mitteleuropa geprägt war. So hielt diese Witterung erstaunlicherweise ganze 4 Wochen (vom 27. Oktober bis 25. November 2011) an. Das Dauerhoch führte dabei zu einer Blockierung, sodass atlantische Tiefausläufer keinen Weg nach Mitteleuropa fanden und entsprechend südostwärts bzw. nordostwärts an Deutschland vorbei gesteuert wurden. So kam es besonders im westlichen Mittelmeerraum zu Rekordniederschlägen. Infolge starker vertikaler Temperaturgegensätze entwickelte sich sogar ein tropischer Storm, der erstmals vom National Hurricane Center in Miami einen Namen erhielt (01M). Über Deutschland blieb es trocken, entsprechend führten alle Flüsse Niedrigwasser. Deutlich verstärkend wirkte sich hier die Stau-Föhn-Situation an den Alpen aus, denn neben der zu Anfang in Deutschland trockenen Periode kam es in Norditalien zu sehr starken Regenfällen.

Abb. 7 | © wetter3.de | Strömungskonstellation am 09. November 2011
Abb. 7 | © wetter3.de | Strömungskonstellation am 09. November 2011

Die aus einem starken zonalen Grundstrom hervorgegangene verantwortliche lange Welle war sehr stabil und zeigte kaum eine Phasengeschwindigkeit. Ende Oktober lag Mitteleuropa bereits weit südlich der Frontalzone und damit auf der warmen Seite im Bereich hohen Potentials. Anfang November erfolgte über dem Atlantik eine recht markante Austrogung, sodass sich infolge des thermischen Ausgleichs der mittel-europäische Höhenrücken weiter aufwölbte und bis Finnland reichend Potentialanstiegt einsetzte. Gleichzeitig tropfte ein Kurzwellentrog über Osteuropa ab. Gemäß der Bodenströmung bewegte sich das Cut-Off Richtung Balkan und flankierte das kräftige Hoch über Mitteleuropa an der Ostseite, sodass die Strömung die Form des griechischen Buchstaben Omega annahm. Die südliche bis südwestliche Strömung brachte uns für die Jahreszeit überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Bereits in der ersten Novemberdekade gab es eine positive Abweichung der Tageshöchsttemperaturen zwischen 3 und 6 Grad. Am 4. und 5. November stiegen mit Föhnunterstützung die Höchstwerte an den Alpen auf bis zu 22 Grad. Auf dem Hohenpeißenberg wurde der Dekadenrekord bezüglich der Tageshöchsttemperatur gebrochen. So wurden hier in 986 m über NN am 05.11.2011 warme 22,3 °C gemessen. Auch an den Stationen Norderney, Oldenburg, Neubrandenburg, Lingen, Flughafen Münster, Flughafen Düsseldorf, Brocken, Wasserkuppe, Schmück und Neuhaus a. R. wurden neue Dekadenrekorde gemeldet. Gedämpft wurden die Tageshöchsttemperaturen in tiefen Lagen im Verlauf des Novembers aber infolge der negativen Strahlungsbilanz und der Ausbildung einer kalten Grundschicht. Diese reicherte sich mit Feuchtigkeit an, sodass die weitere strahlungsbedingte Abkühlung zur Bildung von Nebel und Hochnebel führte.

Abb. 8 | © Eumetsat | Tropischer Sturm über dem westlichen Mittelmeer (links mittig)
Abb. 8 | © Eumetsat | Tropischer Sturm über dem westlichen Mittelmeer (links mittig)

Mit einem weiteren Cut-Off-Prozess über dem westlichen Mittelmeer war die Omegawetterlage perfekt. Gefährlich aber wurde es nun für die westlichen Mittelmeerküsten Spaniens, Frankreichs und Italiens, da sich hier aufgrund der mitteltroposphärischen Abkühlung ein intensiver frontenloser Labilitätswirbel entwickelte und erstmals als tropischer Sturm im Mittelmeer vom National Hurricane Center den Namen 01M erteilt bekam. Allerdings handelte es sich dabei bei weitem nicht um das erste Gebilde dieser Art im Mittelmeer. Möglicherweise gab es solche Unbilden dort auch schon im Altertum, wenn man bedenkt, was dem griechischen Seeheld Odysseus alles widerfahren sein soll. Unwetterartige Niederschläge mit weit über 100 mm in 24 Stunden waren die Folge.

Auch im weiteren Verlauf wurde unser Dauerhoch östlich und westlich von flachen Höhentiefs flankiert, so dass von einem Anhalten der stabilen Wetterlage auszugehen war. Insgesamt aber war zu beobachten, dass das Potential weiter fiel, sich aber dennoch im Mittelmaß befand, die Omegalage fortbestand und der hohe Luftdruck wetterwirksam blieb. Kräftige Tiefdruckentwicklungen spielten sich weit über dem nördlichen Atlantik ab. Die Luft wurde dennoch zunehmend feuchter und in der schwachgradienten Lage hielt sich mancherorts sehr dichter und zäher Nebel oder Hochnebel unterhalb der Inversion. In Gebieten mit Strahlungswetter wurde der Blick Richtung Süden und Westen sehr unangenehm. Staub und angesammelter Dreck unterhalb der Inversion führten zu einer unangenehmen Streuung des Lichts. Bergstationen hingegen verzeichneten neben exzellenten Sichtweiten auch eine Rekordsonnenscheindauer.

Wegen des fehlenden Niederschlags kam es besonders entlang des Rheins zu Problemen im Schiffsverkehr. Auch war der Pegel der Donau in Niederbayern im November noch nie so niedrig gewesen wie im Jahr 2011.

 

Diese Wetterlage lässt sich recht gut mit der aus dem Sommer 2003 vergleichen. Damals bescherte uns das Hoch MICHAELA einen Sommer, der in die meteorologischen Geschichtsbücher eingegangen ist. Aufgrund des höheren Sonnenstandes aber sind die Auswirkungen solch einer Wetterlage im Sommer katastrophaler als im Herbst bei tiefem Sonnenstand.


© Welt der Synoptik | Autor: Denny Karran